Spicy Curry & Kier Royal
Nach(t)rufe von Michaela Dudley

Tim Curry und Udo Kier habe ich in den USA der 1970er-Jahre praktisch gleichzeitig entdeckt — und zunächst laufend miteinander verwechselt. Diese Verwechslung war kein Zufall, sondern lag in der fast magischen Ähnlichkeit ihrer Erscheinung begründet.
Beide besaßen eine messerscharfe Physiognomie mit jener charakteristischen Augenpartie: stechend, hypnotisch, zwischen Melancholie und Abgrund schwankend. Dazu dieser unverwechselbare, fast raubtierhafte Haifisch-Mund, der im einen Moment verführen und im nächsten zubeißen konnte.
Doch die Parallele ging weit über das Gesicht hinaus. Es war ihr gemeinsames Faible für eine prickelnde, subversive Erotik in der filmischen Avantgarde. Die Filme deckten die gesamte Bandbreite von Arthouse bis Grindhouse ab — Hauptsache Mitternachtsvorstellungen wie im Waverly in the Village.
Shakespeare und die Sinnlichkeit
Tim Curry wurde 1946 in Cheshire geboren, als Sohn eines Methodist Naval Chaplain. Er studierte Drama und Anglistik und begann seine Bühnenlaufbahn 1968 mit Hair. Dort lernte er Richard O’Brien kennen. Wenige Jahre später sollte diese Begegnung die Popkultur verändern: 1973 übernahm Curry im Royal Court Theatre die Rolle des Dr. Frank N. Furter in O’Briens The Rocky Horror Show. 1975 wurde daraus Jim Sharmans The Rocky Horror Picture Show – und aus Curry eine Ikone.
Für viele queere und queer-nahe Menschen begann das Erlebnis lange vor dem Vorspann. Die Linie 1 südwärts bis
South Ferry – für uns natürlich South Ferry Fairies: Token in den Turnstile, Klack, Drehkreuz, hinunter in den rumpelnden Zug. An
Christopher Street–Sheridan Square wieder hinaus und die paar Blocks zum Waverly.










